Praxistipps für die Konstruktion von kindergesicherten Verpackungen

1. Erkundigen Sie sich rechtzeitig über innovative Konstruktionsmöglichkeiten.

Wir haben in den mehr als 30 Jahren unseres Bestehens sehr viele gute, aber auch weniger funktionsfähige Sicherungsmöglichkeiten von gefährlichen Produkten und/oder Medikamenten kennengelernt.
 
Die Konstruktion von kindergesicherten Verpackungen beruht auf der Erkenntnis, dass Kinder im relevanten Alter von 42 bis 51 Monaten nicht ausreichend in der Lage sind, zwei Bewegungen, wie z.B. "drücken" und "drehen" gleichzeitig und koordiniert auszuführen. Auch doppelte Folien (Peel Push) bereiten Kleinkindern erhebliche Probleme beim Öffnungsversuch.
 
Es kommt nicht darauf an, Verpackungen so zu konstruieren, dass sie generell schwer zu öffnen sind, sondern dass zwei Bewegungen koordiniert auszuführen sind. Dafür gibt es zahlreiche Möglichkeiten, die sich in Convenience, Sicherheit und Kosten deutlich unterscheiden. Sorgfältige Planung hilft, einen Treffer zu landen. Für die Sicherheit von Kindern, aber auch für das Marketing Ihres Unternehmens. Das gilt insbesondere, wenn ein neues Prinzip angedacht wird. 
 
2. Denken Sie nicht nur an Kinderhände.

Besonders ältere Menschen haben häufig Probleme beim Öffnen von kindergesicherten Verpackungen.
 
Das Problem liegt hierbei in der mangelnden Kraft oder Beweglichkeit vieler Älterer, außerdem kommen Gelenkerkrankungen wie z.B. Arthritis bei ihnen häufiger vor, was das Öffnen von Verpackungen erheblich erschweren kann. Wie unsere Beobachtungen seit über 30 Jahren zeigen, tritt das früher vorhandene Verständnisproblem des Öffnens nur noch selten in Erscheinung. Öffnungszeiten bei leichtgängigen kindergesicherten Verpackungen liegen auch bei der kritischen Testgruppe der 60 bis 70-Jährigen unter 10 Sekunden. Das Öffnungsprinzip wird also sofort erkannt.
 
Aber: Wenn zuviel Kraftaufwand, z.B. beim Zusammendrücken oder Hinunterdrücken eines Verschlusses erforderlich ist, wird die Öffnung (oder Nichtöffnung) zum Ärgernis, selbst wenn der Mechanismus an sich keine Probleme bereitet. Unsere Erfahrungen zeigen, dass der Kraftaufwand zum Verformen des Verschlusses nicht über max. 2,5 kg liegen darf. 
 
Bei Verschlüssen, die nach dem Prinzip "seitlich zusammendrücken und gleichzeitig aufdrehen" funktionieren, besteht ein erfolgversprechender Ansatz darin, eine leichte Verformbarkeit der Kappe mit einem längeren Verformungsweg zu kombinieren. Dies reduziert einerseits die auftretenden Öffnungsprobleme von Erwachsenen aufgrund von mangelnder Kraft und reduziert andererseits mögliche Zufallsöffnungen durch Kleinkinder.

Bei der Konstruktion von Blisterverpackungen für Arzneimittel stellt es eine besondere Herausforderung dar, diese kindersicher zu gestalten, wenn der Sicherungsmechanismus lediglich im Durchdrückwiderstand der Deckfolie besteht. Dieser darf für Erwachsene nicht zu groß sein. (siehe Punkt 11)
 
3. Zähne zeigen.

Ein verlängerter Verformungsweg bringt einen zusätzlichen Vorteil mit sich. Es können dadurch größere Sperrnocken mit stärkerer Überlappung eingesetzt werden. Das ermöglicht eine stärkere Sicherung gegen die Öffnung durch Kinderhand und verhindert, dass die schwachen Spitzen der Sperrnocken bei unsachgemäßem Gebrauch zu rasch abscheren. Abgescherte Sperrnocken sind eines der Hauptprobleme der im Lauf der Zeit nachlassenden Kindersicherung bei Verschlüssen nach dem Prinzip "seitlich zusammendrücken und gleichzeitig aufdrehen".
 
4. Eine runde Sache.

Wenn die Sperrnocken auf dem Flaschenhals ebenso wie in der Kappe nicht spitz auslaufen, sondern abgerundet, fast kugelig enden, vermindert sich ebenfalls die Gefahr des Abscherens; die Kindersicherheit bleibt länger erhalten. Abgerundete Sperrnocken und ein langer Verformungsweg der Kappe sind ein sehr sicheres und für Erwachsene bequemes System der Kindersicherung von Kunststoffgebinden.
 
5. Denken Sie in "großen" Dimensionen.

Kleine Kinderhände können Verschlüsse mit kleinen Durchmessern leichter umfassen und auch der Gebrauch der Zähne als "Werkzeug" bietet sich dadurch an. Für Erwachsenenhände sind geringe Durchmesser unangenehmer, weil nur ein geringer Verformungsweg konstruktiv möglich ist und daher zum Öffnen mehr Kraft eingesetzt werden muss. Auch ältere Menschen kommen mit bequemeren breiteren Verschlüssen besser zurecht. Für Kinder sind diese hingegen etwas schwieriger zu öffnen.

6. Lassen Sie es knacken!

Das richtige Verschließen einer Verpackung gehört zum normierten Prüfungsumfang im Rahmen der Tests mit Senioren. Schließlich soll der gefährliche Inhalt sicher verwahrt sein. Bei zahlreichen Verpackungen ist für den Laien aber nicht leicht erkennbar, wann der Verschluss richtig "zu" ist. Das trifft besonders auf die Verschlüsse zu, die nach dem Prinzip „hinunterdrücken und drehen“ arbeiten. Die Folge: Der Verschluss bleibt halb offen, oder er wird so fest "zugewürgt", dass er danach nur mit Gewalt wieder zu öffnen ist. Ein deutlicher "Knackpunkt" signalisiert hingegen den sicheren Wiederverschluss. Ein gutes Argument für Convenience.

7. Nutzen Sie die Hebelwirkung.

Bei Verschlüssen nach dem Prinzip "hinunterdrücken und gleichzeitig aufdrehen" kommt es darauf an, dass der äußere Teil des Verschlusses immer wieder nach oben gedrückt wird. Das gelingt durch kleine Hebel im Inneren des zweiteiligen Verschlusses. Viele Hebelchen erleichtern den gleichmäßigen Gang und sichern lebenslange Kindersicherheit. Ein genauer Abstand zwischen den zwei Verschlussteilen verhindert ein Verkanten.
 
8. Bieten Sie keine Angriffsflächen.

Bei Folienbeuteln für Nachfüllpacks oder Folien für Tabs ist es hilfreich, die Überstände der Schweißnähte so knapp wie möglich zu bemessen, um den Kindern so wenig Fläche wie möglich zu Angreifen zu geben.
 
9. Nützliches Dreieck.

Typische Schwachstellen von Tab-Verpackungen sind die Übergänge der verschweißten Nähte zur normalstarken Folie. Kleine dreieckige Verstärkungen an den Stellen, an denen die Schweißnähte zusammentreffen, erzielen deutlich bessere Ergebnisse.

10. Zahnprobleme.
 
Gerade kleinere Folienverpackungen für Tabs sowie Blister für Medikamente werden von Kindern gern mit den Zähnen malträtiert, um sie zu öffnen. Es gibt relativ "bissfeste" Folien, die verhindern, dass ein Kind mit dem gefährlichen Inhalt in Berührung kommen kann. 

11. Kinder öffnen Blister anders.

Während Erwachsene Blister normalerweise durch Durchdrücken der Tablette oder Pille „öffnen“, tun dies Kleinkindern etwa nur zur Hälfte. Kleinkinder versuchen vielmehr die Deckfolie mit dem Fingernagel zu zerstören bzw. aufzukratzen. Sie pulen also ebenso häufig wie Sie versuchen, den Inhalt herauszudrücken. Gegen das Pulen hilft neben einer zähen Folie auch ein gutes und enges Anpassen der Tablettenform an die Form der Kavität in der Formfolie (Unterfolie). Bei der Konstruktion von Blisterverpackungen für Arzneimittel stellt es eine besondere Herausforderung dar, diese kindersicher zu gestalten, wenn der Sicherungsmechanismus lediglich im Durchdrückwiderstand der Deckfolie besteht. Dieser darf für Erwachsene nicht zu groß sein.

12. Blisterform und Folie.

Flache Tabletten, die die Kavität vollständig ausfüllen, erzielen deutlich bessere Ergebnisse in den Prüfungen mit Kindern als ovale oder runde Pillen, vor allem wenn diese in zu großen Kavitäten verpackt sind. Die Kindersicherheit einer Blisterpackung mit gut passenden, flachen und kleinen Tabletten sind auch mit relativ dünnen Deckfolien, sogar solchen, bei denen eine Schicht der Deckfolie aus Papier besteht, recht gut.

Ovale oder länglich geformte Pillen und Kavitäten bieten durch auftretende Hebelwirkungen beim Drücken ebenso wie beim „Pulen“ durch ein mangelhaftes Ausfüllen der Kavität den Kleinkindern erheblich mehr Öffnungsmöglichkeiten.

13. Flexibel bleiben.

Kinder versuchen oft, die Blisterverpackungen durch „Verdrehen“ zu öffnen. Um dem vorzubeugen kommt es besonders darauf an, die passenden Folien miteinander zu kombinieren, sodass beim Verwinden des Blisters die Deckfolie nicht so leicht aufreißen kann. Je flexibler die Deckfolie dabei ist, umso besser ist der Widerstand gegen ungewolltes Öffnen. Auch Perforierungen des Blisters helfen oft, einzelne Tabletten zu schützen, weil der Blister beim Verdrehen  in einzelne Teile zerfällt, die weniger Angriffsfläche für Kinder bieten.

14. Peel Push für Sicherheit und Convenience.

Peel Push Folien bieten besondere Möglichkeiten für kindergesicherte und seniorenfreundliche Verpackungen. Die Doppelfolie wird dabei an den Stellen, an denen sie geöffnet werden soll, mit einem verdeckten Öffnungsschlitz versehen, der sich durch Umknicken der Folie leicht erreichen und aufziehen lässt.

Unverbindlich können Sie unsere Schwestergesellschaft die „IPC International Packaging Consulting“ bereits im Vorfeld der Entwicklung eigener kindergesicherter Verpackungen einschalten. Die Mitarbeiter von IPC sind Spezialisten für kindergesicherte und besonders für seniorengerechten Verpackungen. Sie können Ihnen helfen, Fehler von vornherein zu vermeiden und so enormen Kostenrisiken aus dem Wege zu gehen.
 
Fordern Sie unverbindlich unsere Unterlagen zur Zertifizierung von kindergesicherten Verpackungen an.
 
Dr. Rolf Abelmann, Dr. Horst Antonischki